Materialschädling in Museen, Sammlungen und Herbarien


Bilder: Reiner Pospischil
Amerikanischer Wespenkäfer (Reesa vespulae)
Das ursprüngliche Herkunftsgebiet ist Nordamerika und USA. Erstmals wurde die Art in Europa (Moskau 1959) nachgewiesen. Nach weiteren Erstfunden in Skandinavien, Ostdeutschland und Großbritannien (London 1979) ist der Käfer auch in Deutschland (Sellenschlo 1986) beschrieben worden. In Deutschland, Österreich und Schweiz ist dieser Käfer aus Museen bisher kaum bekannt (Brimblecombe und Querner 2024). Aktuelle Hinweise von Populationen sind aus Baden-Württemberg, Berlin, Kanton Solothurn und Wien bekannt (Stand 2026). Mehrzählige Aufzeichnungen von Thompson Webb und Pinniger stammen aus Großbritannien.
Aussehen Der Käfer ist 2-5 mm lang. Die Körperform ist langoval, hinter der Mitte leicht verbreitert. Der Kopf ist schwarz und schwarz behaart, auf der Stirn trägt er ein Punktauge. Die Antennen sind 11-gliedrig, dabei bilden die letzen 4 Glieder eine lockere schwarze Keule. Halsschild und Flügeldeckenbasis sind schwarz. Über den Flügeldecken haben die Käfer ein gelbliches Band von Haaren. Die bis zu 6mm langen Larven mit einem Haarbüscheln am Ende ähneln sehr denen von Anthrenus, Attagenus oder Trogoderma (T. angustum und T. granarium)
Lebensweise In Nordamerika leben die Larven in den Nestern von Wespen und Solitärbienen; als Nahrung dienen ihnen tote Insekten und eingetragene Pollen. In der Lebensmittelindustrie kommen die Käfer unter anderem auch an Milchpulver oder Saatgut vor. Die Käfer selbst sind Blütenbesucher. Da sich diese Art parthenogenetisch (ähnlich wie Staubläuse) fortpflanzen kann, sind alle Weibchen in der Lage fruchtbare Eier ohne eine Paarung zu legen. Die Lebensdauer der Imagines beträgt bei Zimmertemperatur 6-14 Tage. Die Larvenentwicklung dauert bei 25° Grad 1-1,5, bei 23° Grad 2 und bei 15-21° Grad über 3 Jahre. Als Larven werden bei der Entwicklung mindestens 6 Stadien durchlaufen, wo die Ernährung polyphag an trockenen tierischen und pflanzlichen Stoffen aller Art stattfinden kann. Hierzu zählen u.a. Blumensamen, Weizen, Mais, Reis, Haferflocken, Zwieback, Nüsse, Gewürze, Hundekuchen und Trockenfleisch. Kannibalismus der Larven an Vorpuppen, Puppen, Exuvien und tote Imagines wurde bei rein pflanzlicher Ernährung beobachtet.
Schäden Die Larven ernähren sich von Häuten, Felle, trockenen Pflanzen (Herbarien) und können in zoologischen Sammlungen an Insektenpräparaten oder getrockneten Tieren (z.B. Eidechsen, Schnecken) vorkommen. Bei Herbarien wurde Larvenfraß an mehreren getrockneten Pflanzen und Pilzen beobachtet.
| Monitoring | |
| Käfer | Larven |
| Klebefallen, Lichtfallen | Klebefallen (mit/ohne Köder) |
Literatur
Adams, R.G. The first British infestation of Reesa vespulae (Milliron) (Coleoptera: Dermestidae). Entomol. Gaz. 1978, 29, 73–75
Bahr, I.; Nussbaum, P. (1974) Reesa vespulae (Milliron) (Coleoptera: Dermestidae), ein neuer Schädling an Sämereien in der Deutschen Demokratischen Republik. Nachrichtenblatt Dtsch. Pflanzenschutzd., 28, 229–231
Bergh, J.E.; Hansen, L.S.; Vagn Jensen, K.M.; Nielsen, P.V. The effect of anoxic treatment on the larvae of six species of dermestids (Coleoptera). J. Appl. Entomol. 2003, 127, 317–321
Beuthien T. (2026) Motten? Alarmstufe rot! GEO 03 (2026), S. 59
Brimblecombe, P.; Querner, P. (2024) Catch of Reesa vespulae in Heritage Environments. Insects 2024, 15, 405. https://doi.org/10.3390/insects15060405
Pinniger, D. / Landsberger B. / Meyer A. / Querner P. (2016) Handbuch Integriertes Schädlingsmanagement in Museen, Archiven und historischen Gebäuden, Gebr. Mann Verlag Berlin, S. 40-41
Pinniger, D. (2001) New pests for old: The changing status of museum insect pests. In Integrated Pest Management for Collections, Proceedings of the 2001: A Pest Odyssey Conference, London, UK, 1–3 October 2001; Kingsley, H., Pinniger, D., XavierRowe, A., Winsor, P., Eds.; James & James: London, UK, 2001; pp. 9–13
Sellenschlo, U. Nachweis des Nordamerikanischen Wespenkäfers Reesa vespulae (Col., Dermestidae) in der Bundesrepublik Deutschland. Neue Ent. Nachr. 1986, 19, 43–46 https://www.zobodat.at/pdf/Neue-Entomologische-Nachrichten_19_0043-0046.pdf
WEIDNER H. (1984) Haus- und Vorratsschädlinge auf dem Vormarsch. 2. Reesa vespulae (Milliron, 1939) Der praktische Schädlingsbekämpfer 36, S. 85-90