FAQ

Wiederkehrende Fragen aus der Praxis:

Textilschädlinge

Ich habe einen Kleidermottenbefall festgestellt, was soll ich tun? 1. Diagnose, ob es tatsächlich Kleidermotten sind und keine andere Mottenart (z.B. die Getreidemotte Sitotroga cerealella). Diagnose, ob die Fraßstellen in Textilien von Larven der Kleidermotte o.a. oder Pelzkäferlarven sind. 2. Suche nach der Quelle des Befalls (visuell, mit Hilfsmitteln/Fallen oder externen Experten*in) 3. die Quelle des Befalls beseitigen/in Quarantäne nehmen/behandeln.

Kommen Kleidermotten über offene Fenster (beim Lüften) ins Gebäude? Ja und Nein. Normalerweise nicht, da Kleidermotten in Deutschland nicht im Freiland leben oder sich dort ganzjährig entwickeln. Ausnahme wäre in Innenstädten, da dort die Wahrscheinlichkeit eines Zuflugs von Gebäude zu Gebäude bei höheren Temperaturen im Sommer gegeben ist.

Können Motten bzw. Insekten mit Pheromonfallen ins Gebäude gelockt werden? Theoretisch ja, aber es handelt sich dann nur um männliche Falter oder Käfer, die im Gebäude keine Eier legen können und es zum Befall kommt.

Verbreiten sich Kleidermotten über die Klimanlagen-Kanäle im Gebäude? Nein, da die Klimanlage über Filter oder Vorfilter verfügt, um eine Verbreitung von Pollen und Schmutz zu verhindern.

Holzschädlinge

Ist herausfallendes Bohrmehl aus dem Holz ein Nachweis für lebenden Befall von holzzerstörenden Larven? Nein, da die ausschlüpfenden Käfer meist nur sehr wenig Fraßmehl verursachen und bei größeren Mengen an sichtbaren Bohrmehlauswürfen andere Ursachen vorhanden sein können. Dies wären a) mechanische Erschütterung (z.B. Bewegung einer Schublade) b) Dimensionsänderungen des Holzes (Schwinden/Quellen) oder c) Insekten, wie biologische Gegenspieler (z.B. Brackwespen, Ameisenwespchen, Blaue Fellkäfer, Milben, Staubläuse oder Schimmelkäfer) die sich im bzw. am Holz aufhalten.

Kann man den Holzwurm akustisch mit dem Ohr hören? Der Holzwurm ist ein trivialer Name für die Larve eines Holzschädlings. Nur größere Larven, wie vom Hausbock, sind mit dem Ohr hörbar. Die kleineren Larven vom Nagekäfer oder Splintholzkäfer sind akustisch nicht hörbar.

Können Räume mit Holzausstattung (Böden, Decke) durch Gegenstände (wie z.B. Möbel) mit Holzwurm (Nagekäferbefall) infiziert werden? Nein, da Nagekäfer eine erhöhte Holzfeuchte zur Entwicklung benötigen. In klimatisierten Räumen mit 50% Luftfeuchte ist die Holzfeuchte zu niedrig.

Hilft das Auslegen von frischen Eicheln gegen Holzwurmbefall? Nein, da sich die Larven von Nagekäfern nicht aus dem Holz locken lassen oder dieses wegen dem Geruch von Eicheln verlassen. Dieser “Mythos” hält sich schon sehr lange und wird über das Internet weiterhin verbreitet. Weitere Mythen zur Holzwurmbekämpfung und fachliche Richtigstellungen finden Sie auch beim Blog der Holzschutz GmbH von Wilfried Held aus Tönisvorst.

Wenn ich Hausbock oder Hausschwamm festgestellt habe, muss ich Angst um mein Gebäude haben, dass es statisch zusammenbricht? Nein. Diese Horrornachrichten stammen häufig aus dem Internet und entsprechen nicht der Realität. Es gibt meist eine Lösung des Problems, wenn man den richtigen Holzschutzsachverständigen befragt. Die Meldepflicht für Hausbock oder Hausschwamm besteht seit Mitte 2000 in vielen Bundesländern nicht mehr. Mit Ausnahme bei Befall durch den Echten Hausschwamm in den Bundesländern Sachsen und Thüringen, die noch über eine Meldepflicht verfügen.

Können Ameisen eine Holzkonstruktion zerstören? Ähnlich wie Termiten Nein, da Ameisen das Holz nicht als Nahrung nutzen sondern nur darin siedeln, wenn es meist morsch und faul ist.

Gibt es in Deutschland Termiten? Nein, da weder Boden- noch Trockenholztermiten in Deutschland heimisch sind. Meist handelt es sich um eine Einschleppung mit befallenen Hölzern oder Museumsobjekten aus tropischen oder subtropischen Ländern in Afrika, Mittel-/Südamerika oder Asien.

Insekten allgemein

Reichen Minustemperaturen im Winter (Außenbereich) aus, um einen Insektenbefall an Objekten, wie z.B. Holzmöbel oder Teppichen zu behandeln? Normal nicht, da die letalen Temperaturen für die meisten Insekten(-stadien) bei mindestens -20°C über eine Dauer von mindestens 14 Tagen liegen. Diese Werte werden entweder im mitteleuropäische Winter nicht (mehr) erreicht oder kommen z.B. bei Larven im isolierenden Holzkern oder einem Wollteppich nicht vollständig an. Siehe auch technische Informationen über Kältebehandlung.

Kann man Insekten (z.B. Ameisen in einer Fassade) mit einer Thermografie-Kamera lokalisieren? Nein, da Insekten nur in großer Anzahl oder mit ausreichender Wärmeabstrahlung auf einer Oberfläche erkennbar sind. Bisher liegen keine Nachweise aus Praxis oder Wissenschaft vor, die das Lokalisieren hinter einer Verkleidung zeigen.

Kommen Insekten, wie Silberfischchen aus dem Abfluss (Gulli)? Nein, da viele Insekten aus Versehen in das Waschbecken, Badewanne oder ähnliches fallen und über die glatten Oberflächen nicht mehr entkommen können.

Kann man Ameisen oder Silberfischchen mit Backpulver bekämpfen? Nein, da es zu den Hausmitteln zählt und keine wissenschaftlich begründete Wirksamkeit vorliegt. Oft wird bei Ameisen ein gewisser repellierender Effekt beobachtet, wo die Arbeiterinnen das Backpulver meiden und einen Umweg darum machen.

Nützlinge

Kann man nach einer insektiziden Spraybehandlung noch Nützlinge an befallenen Objekten einsetzen? Nein und Ja: Nein, wenn es sich um ein Langzeitinsektizid wie z.B. Wirkstoff Permethrin handelt, welches neben Schadinsekten auch Schlupfwespen o.ä. abtötet. Ja, wenn es ein Kurzzeitinsektizid ist, wie z.B. pflanzliches Pyrethrum (Chrysanthemum), welches sich nach einer Zeit von ca. einigen Stunden bis Tagen durch UV-Licht und Sauerstoff wieder abbaut und keine Rückstände mehr vorhanden sind.

Dokumentation

Gibt es einen Leitfaden, wie man beim Aufstellen und Kontrollintervall von Fallen vorgehen sollte? Nein. Da die Anzahl der Fallen pro Raum von Größe und den örtlichen Gegebenheiten (Raumebenen, Regale, Möbel, Einbauten usw.) abhängig sein kann bzw. ist. Zudem kommen die Faktoren wie Schädlingsart, Schädlingsstadium (z.B. Falter, Käfer, Larve), Jahreszeit, Raumtemperatur, Staubbelastung usw. Daher muss jedes Monitoring stets den örtlichen Gegebenheiten angepasst und regelmäßig auf Veränderungen überprüft werden. Eine grobe Orientierung können die Angaben der Fallenhersteller sein, was z.B. die Reichweite von Lockstoffen/Pheromonen oder Wirkungsdauer betrifft.

Gibt es Datenbanken, um Schädlinge schnell und systematisch einzutragen, visuell darzustellen und digital zu speichern? Ja. Hierfür können einfache Excel-Tabellen genutzt werden oder spezialisierte Softwareprogramme von Anbietern gekauft und modifiziert werden. Siehe auch Informationen über Dokumentation.

Biozide

Welche Biozide werden heute noch gegen Insekten oder Pilze eingesetzt? Welche Biozide sind verboten? Siehe “Liste Insektizide” auf der Seite Biozide

Schadstoffbelastung / Dekontamination

Welche Möglichkeiten einer Dekontamination bei Objekten oder Gebäuden gibt es und wer kann weiterhelfen? Siehe Sicherheitsvorkehrungen bei Anwesenheit von Bioziden

Schadnager

Ich habe einen lebenden Mäuse- oder Rattenbefall, was soll ich tun? 1. keine Rodentizide (Köder mit Wirkstoffen) oder Lebendfallen selbst ausbringen, um den Befall zu bekämpfen. 2. Einen Experten als Dienstleister (z.B. professionellen Schädlingsbekämpfer) zur Beratung rufen, um die Ursache zu klären und eine Bekämpfung durchführen lassen.

Technik

Was ist der Unterschied zwischen Begasung und Vernebelung in der Schädlingsbekämpfung? Als Begasung kann man den Einsatz von hochtoxischen Stoffen sehen, die auch Wände oder Gegenstände durchdringen können (gasförmig). Bei einer Vernebelung setzt man kleinste Tröpfchen (ähnlich rauchförmig) frei, die nur die Oberflächen benetzen und keine Durchdringung haben.

Was ist der Unterschied zwischen Thermo Lignum® – Warm Air Verfahren und feuchtegeregeltem Warmluftverfahren? Grundsätzlich handelt es sich um das gleiche Anwendungsverfahren. Der Name Thermo Lignum® stammt von der gleichnamigen Firma und ist ein in Österreich und weiteren Ländern registrierter Begriff. Für eine neutrale Nutzung (z.B. bei einer öffentlichen Ausschreibung) sollte der Begriff “feuchtegeregeltes Warmluftverfahren” verwendet werden, wie es in Holzschutznormen (D / Ö) oder technischen Merkblättern (z.B. WTA Sonderverfahren im Holzschutz) der Fall ist.

Kann ein professioneller Schädlingsbekämpfer nur mit chemischen Mitteln eine Bekämpfung gegen Insekten durchführen? Nein, da in der Ausbildung oder Praxis der modernen Schädlingsbekämpfung das Prinzip der Integrierten Schädlingsbekämpfung gilt, die eine weitgehende Vermeidung von chemischen Wirkstoffen zum Ziel hat. Die Prävention und das Monitoring sind übliche Arbeitsmittel in den Bereichen Pflanzenschutz, Gesundheits- und Vorratsschutz und auch im Holzschutz.

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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Schädlinge nach Werkstoffen sortiert

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