Mechanische Abwehr von Fluginsekten bei Gebäuden
Insektenschutzgewebe oder Insektengaze dient zur Abwehr von fliegenden Insekten für Gebäude mit Lüftungs-fenstern. Handelsübliche Fliegengitter oder -netze sind in der Regel für die 6-8 mm großen Stubenfliegen oder gleichartige Fluginsekten wie Wespen, Mücken, Motten, Wanzen, Waldschaben usw. konzipiert. Die Befestigung am Fensterrahmen kann mit haftenden Klettbändern oder als Spannrahmen erfolgen. In Europa ist die Verwendung und Ausführung von Insektenschutzgittern über die Produktnorm DIN EN 13561 „Markisen – Leistungs- und Sicherheitsanforderungen“ definiert.
Kleinere Insektenarten, wie Brotkäfer, Speckkäfer oder Halmfliegen können erfahrungsgemäß durch eine lichte Maschenweite von ca. 1,4 x 1,4 mm eindringen (siehe Bild Mitte unten). Diese Maschenweite hat sich in Deutschland bei den handelsüblichen Insektenschutzgittern für die meisten Insektenarten bewährt gemacht (Benitz-Wildenburg 2021). Beispielsweise muss bei 2-4 mm großen Fruchtfliegen (Drosophilidae) die Maschenweite 0,6 x 0,6 mm betragen, um ein Eindringen ins Gebäude zu verhindern (Eisele/Megerle 2011)
Für Museen, Archive oder Bibliotheken empfiehlt sich die Verwendung von Insektenschutzgittern mit feinmaschigen Geweben von mindestens 0,7 x 0,7 mm oder optimal 0,5 x 0,5 mm. Die Maschenweite ist grundsätzlich abhängig vom zu erwartenden Schädlingsspektrum. Von den namhaften Herstellern werden „Feinmaschgewebe“ mit ca. 1,27 x 0,56 mm angeboten.
Neben dem Abhalten von Insekten ist auch die Gewebefarbe (schwarz, anthrazit o.ä.), die Durchsicht (Lichttransmission) und Lüftung (Luftdurchlässigkeit in m/s bei 0,15 mbar Differenzdruck) für den jeweiligen Raum zu beachten. Für den Einsatz spielt auch die Fadenstärke (mm) und Öffnungsgröße der Maschen eine wichtige Rolle. Zu beachten ist auch die Einwirkung von UV-Strahlung auf Gewebe aus Kunststoffen (wie z.B. Polyester) im Gegensatz zu Fiberglas oder Edelstahl.
Merke: Der sicherste Schutz vor Fluginsekten sind Fixfenster mit festem Rahmen ohne bewegliche Teile.



Insektenschutz vs. Denkmalschutz
In historischen Gebäuden mit Denkmalschutz ist die Verwendung von Insektenschutzgittern nicht immer einfach umzusetzen, da die optische Erscheinung und eine nicht-invasive & reversible Installation eine große Rolle spielt. Beim Einsatz von professionellen Spannrahmen mit Hohlprofilen, i.d.R. aus Kunststoff oder Aluminium, können Federwinkel oder Klammern verwendet werden, die eine zerstörungsfreie Fixierung am Fensterrahmen ermöglichen. Die Abdichtung zwischen Insektenschutzgitter und dem Fensterrahmen erfolgt normalerweise mit einer umlaufenden Bürstendichtung, die wegen Abnutzung austauschbar sein sollte.

Beispiel mit Insektenschutzgittern bei einem Baudenkmal mit einer naturwissenschaftlichen Sammlung in Süddeutschland
Literatur
Adler, Kühne, Preißel, Prozell, Schöller (2021) Vorräte richtig schützen und lagern, in Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel. Ulmer Taschenatlas, Seite 66
Benitz-Wildenburg J. (2021) Damit Stechmücken und andere Störenfriede draußen bleiben. Publikation ift-Rosenheim Link
Eisele T. und Megerle B. (2011) Aktive Schädlingskontrolle. Vorbeugung-Erkennung-Bekämpfung, 3. Auflage, Behr´s Verlag Hamburg
Pinniger, D. / Landsberger B. / Meyer A. / Querner P. (2016) Handbuch Integriertes Schädlingsmanagement in Museen, Archiven und historischen Gebäuden, Gebr. Mann Verlag Berlin, Seite 84