Elektrophysikalische Verfahren (Mikrowelle, HF)

Partielle Wärmebehandlung an verbautem Holz durch Fachfirmen mit Spezialtechnik

Von Schadinsekten befallene Objekte oder Bauteile (z.B. Parkettböden, Treppen oder Balken) können nach dem Standard DIN EN 16790 mit dem Mikrowellen-Verfahren durch erhöhte Temperaturen behandelt werden. Das Verfahren bietet einen schnellen Temperaturanstieg im Material. Nachteilig kann das Risiko durch Schäden an Objekten mit gemischten Materialien sein, wie z.B. Metallelemente oder Oberflächenbeschichtungen.

Nach der Holzschutznorm DIN 68800 Teil 4 (Ausgabe 2020-12 NEU) stellt der Einsatz von elektrophysikalischen Verfahren, wie die Mikrowellen-Technologie oder Hochfrequenz (HF) eine bewährte Bekämpfungsmethode für einen partiellen Befall von holzzerstörenden Insekten oder Pilzen dar.

Zur Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen, wie der Echte Hausschwamm, dient das Mikrowellen-Verfahren als Sonderverfahren gemäß WTA-Merkblatt 1-10 Sonderverfahren im Holzschutz, Teil 1 Bekämpfungsmaßnahmen (Ausgabe 9-2015/D) )

Weitere Methoden zur Erwärmung von Holz sind die Hochfrequenz- (HF) oder Infrarot-Strahlung (IR). Diese zwei Methoden werden im Gegensatz zur Mikrowellen-Technologie in der Praxis kaum verwendet. Bei der Hochfrequenztechnik handelt es sich um zwei gegenüberliegende Metallplatten, die das schädlingsbefallene Holz einschließen (Sandwich). Mit Hilfe eines Hochfrequenzgenerators wird eine Wechselspannung (50 Hz) im Holz zwischen den Metallplatten erzeugt und eine Wärme bis zu mindestens 55°C erzeugt. Das Infrarotverfahren eignet sich überwiegend für massive Bauteile wie Wände, Decken oder Böden zur Bekämpfung des Echten Hausschwamms durch Wärmestrahlung. Infrarotstrahler können mit Elektroenergie, Öl oder Propangas betrieben werden, um Moleküle im Mauerwerk oder Holz zum Schwingen anzuregen und kontrollierte Wärme zu erzeugen. Die Anwendung der genannten Wärmeverfahren erfordert neben spezieller Anwendungstechnik auch praktische und technische Erfahrung des Betreibers. Entsprechende Fachfirmen sind nur in sehr geringer Anzahl in der Praxis zu finden.

Momentan läuft auch die Forschung zur Anwendung von Radiowellen an Gebäudeteilen zum Holzschutz oder Dekontamination.

Literatur

Baumann-Ebert S und Körner J. (2013) Integrierter Holzschutz unter Einsatz des Mikrowellenverfahrens am Beispiel einer klassizistischen Stadtvilla mit Befall durch den Echten Hausschwamm. EIPOS-Tagungsband Holzschutz 2013. S. 28-57

DIN 68800-4 / 2020-12 Holzschutz – Teil 4: Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze und Insekten

Praxiskommentar Holzschutz zu DIN 68800 Teile 1 bis 4 (2013), Beuth Verlag GmbH, Berlin.

Fennert, Schumacher, Biebl (2013) Bekämpfung des Hausbocks Hylotrupes bajulus (L.) durch Hitze – neue Randbedingungen Holztechnologie, Ausgabe 1, S. 16-20

Plarre, R., Steinbach S. (2012) Untersuchungen zur Wirksamkeit von Mikrowellen zur Abtötung von Echtem Hausschwamm (Serpula lacrymans), Gemeinem Nagekäfer (Anobium punctatum) und Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus), in: Schützen & Erhalten, 3, S. 29-31

Rafalski H-J, Steinbach S. (2004) Kleine Wellen gegen große Zerstörer. B+B Bauen im Bestand 26: 6, 37-41

Steinbach S. (2006) Holz unter Einfluss von Mikrowellen – eine Alternative bei der Bekämpfung holzzerstörender Pilze und Insekten. Holztechnologie 47 Nr. 4 39-46

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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