Anoxia (Sauerstoffentzug)

Behandlung mit modifizierter sauerstoffarmer Atmosphäre

Behandlung von Objekten vor Ort mittels Stickstoffgenerator und flexiblen Folienzelten

Anoxia-Behandlung von Objekten vor Ort mittels Sauerstoffabsorbern und flexiblen Folienzelten

Bei kleineren Objekten oder einzelnen Ausstellungsstücken, wie z.B. Bücher, können physikalisch wirkende Sauerstofffänger (Absorber) zur Reduzierung des Luftsauerstoffs eingesetzt werden, wenn dies in einer gasdichten Hülle (Spezialfolie) erfolgt. Die Absorber wirken durch eine chemische Reaktion mit dem Luftsauerstoff und „zehren“ diesen bis zum Erreichen eines Minimalrestwertes von 0,1 Vol.-% auf.

Behandlung von beweglichen Objekten in stationären Kammern oder Spezialzelten mittels Stickstoffgenerator

Technische Ausstattung

Die grundlegende Ausstattung für jede Anwendung von sauerstoffarmer Atmosphäre ist, ein gasdichtes Volumen (Kammer, Zelt), eine Inertgasquelle (Flasche, Generator), Meßgeräte für Sauerstoff, Temperatur und Luftfeuchte (Sensorik) und die Befeuchtung der Atmosphäre (Maekawa/Elert 2003). Einzelne Hersteller haben sich auf die Planung und Bau von Stickstoffkammern für Museen oder Sammlungen spezialisiert (Biebl 2016).

Stationäre Stickstoffkammern

Das Kernstück jeder Stickstoffkammer ist die Sensorik, die entweder manuell oder vollautomatisch laufen kann und vom Personal leicht bedienbar sein muss. Während beim Temperatur- und Feuchtesensor noch eine gewisse Abweichungstoleranz vertretbar ist, sollte beim Sauerstoffsensor nur eine geringe Toleranz im unteren Messbereich von 1,0 bis 0,1% vorhanden sein.

Abweichende Ausstattungen können Türen in Form von Schiebe-, Falt- oder Anschlagtüren sein oder die kostengünstiger Variante mit einer dicht schließenden Platte mit Dichtung und Verschraubung.

Bei Dichtungen ist auf die Vermeidung von Lösemitteln zu achten, um das emittieren von Schadstoffen zu vermeiden, die unter Umständen auch Sauerstoffsensoren schädigen können.

Ein gasdichtes Fenster in der Türe erleichtert eine mögliche Kontrolle des Innenraums und kann als Einstiegs-Luke mit Notöffnung dienen. Weitere Bauteile für den notwendigen Druckausgleich sind eine Dampfausgleichslunge oder Überdruck- und Unterdrucksicherung, um bei der Spülphase mit Stickstoff den Überdruck innerhalb der Kammer zu regulieren. Um ein konstantes Klima für unterschiedliche Objekte oder bei ungleichmäßiger Materialfeuchte halten und regulieren zu können, kann eine Stickstoffkammer mit zusätzlicher Luftbe- und entfeuchtung sowie Temperierung  ausgestattet werden, die automatisiert über Computersteuerung läuft.

Eine Sauerstoffüberwachung in den Technikräumen dient zur Sicherheit für das Personal, wenn das Verhältnis Raumvolumen zum Sauerstoffgehalt ungünstig ist.

Informationen zur Problematik der Stickstoffzulassung als Biozid in der EU finden Sie unter Pressemitteilungen.

Literatur

Biebl S. (2014) Holzschutz mit sauerstoffarmen Atmosphären. Pest Control News 56, April, Seite 22-25

Biebl S. (2016) Stickstoffkammern in Museen. Funktionsweise und Bedingungen von stationären Entwesungsanlagen von Deutschland bis Italien. Restauro, Ausgabe 5, S. 16-22

Biebl S. Reichmuth C., (2013)  Stickstoff-Behandlung gegen Materialschädlinge, Journal für Kulturpflanzen, 65 (3) 99-109 

Biebl S. Wilke N. (2012) Feuchtegeregeltes Warmluftverfahren und Inertgasverfahren in der Möbelrestaurierung – eine Nebeneinander-stellung. Restaurator im Handwerk, Ausgabe 2, Seite 25-27

Biebl, S. / Lang, U. (2014) Treatment of wood-boring beetles in oxygen-free atmospheres. In: Muller, G. et al. (Hg.), The 8th International Conference on Urban Pests. Veszprém: OOK Press Kft: 323–328.  

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Maekawa, S. und Kerstin E. (2003) The use of oxygen-free environments in the control of insect pests. Getty Conservation Institute, Los Angeles 2003, www.getty.edu

Ognibeni, G. (1989) Die Bekämpfung von Holzschädlingen – Gefaßte Holzobjekte unter Einsatz von Gas, in: Restauro 4, S. 283–287.

Reichmuth, C. et alii (1991) Stickstoff zur Bekämpfung holzzerstörender Insekten in Kunstwerken, in: Restauro 4 (1991), S. 246–251

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Wald, A. (1998) Die Stickstoffbegasungsanlage im Zentraldepot des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen, in: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hrsg.): Das Museumsdepot. Grundlagen – Erfahrungen –Beispiele, Band 4, München 1998, S. 181–195.

Willemsen E. et al (2011) Innovation der “Low-Oxygen” Technologie: Eine Lösung für Konservierung, Behandlung und Schutz von Kulturgut. Erschienen in: Restaurator Vol. 32. No 1, S. 13-26

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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