Kleidermotte

Materialschädling in Museen, Textilsammlungen und historischen Gebäuden

Kleidermotte Tineola bisselliella

Biologie Einheitlich goldgelb gefärbter Falter von 5-6mm Länge. Die weißen Larven errichten beiderseits offene, röhrenförmige Gespinste, die am Untergrund fixiert werden und im Gegensatz zur Pelzmotte nicht herum getragen werden. Die im allgemeinen kleineren männlichen Falter können im Gegensatz zu den weiblichen Mottenfaltern größere Flugstrecken zurücklegen (Pospischil 2022) und in Klebefallen gefunden werden. Weibchen bleiben als schlechte Flieger lieber in der Nähe ihres Entwicklungsortes und sind gute Läufer, was man bei einem stärkeren Befall, z.B. im Wand- und Bodenbereich, in manchen Fällen beobachten kann.

Bestimmung Da eine exakte Bestimmung der Art anhand äußerlicher Merkmale bei adulten Mottenfaltern sehr schwierig ist, gilt die mikroskopische Untersuchung über die männlichen und weiblichen Genitalien als gängige Methodik an präparierten toten Tieren. Petersen (1957) schreibt als Beitrag zur Taxonomie, Biologie und Verbreitung von vorratsschädlichen Tineiden zwei Gruppen von Gattungen, deren Larven in Pilzen und getrocknetem pflanzlichem und tierischem Material vorkommen.

Lebensweise Kleidermotten sind hierzulande nicht heimisch und leben als synanthrope Art in Gebäuden. Die Falter können nach Beobachtungen nur im Siedlungsbereich (Großstädte, Ballungszentren) von außen zufliegen (Plarre 2014). Zudem sind gemeldete Funde von Kleidermotten in Vogelnestern nach Plarre und Krüger-Carstensen (2011) in der Literatur überbewertet worden. Die Falter sind kurzlebig und nehmen keine Nahrung auf. So sterben die weiblichen Falter i.d.R. nach der Eiablage innerhalb 16 Tagen, die Männchen können bis zu 28 Tage alt werden.

Schäden Befallen werden keratinhaltige Materialien aus Schurwolle, Seide, Federn oder Haare. Dies können u.a. Teppiche, Polstermöbel mit Roßhaarfüllung, Pelze, Wollkleidung, historische Uniformen, Naturhaarfilz und ökologische Dämmstoffe mit Wollanteil (z.B. Schafwolle) sein. Keratinfreie Stoffe, wie Getreide, Mehl, Casein, Fischmehl und Textilien aus Jute oder Baumwolle werden nur zur Not angenommen (Lochfraß) und reichen für eine dauerhafte Entwicklung nicht aus. Unter Umständen können auch vorhandene Tierkadaver (siehe Bild unten) befallen werden und zu einem Befall führen.

Kleidermottenlarve auf Rosshaar-Füllung

Mumifizierte Maus mit Kleidermottenbefall in einer Fußbodenritze im Museum

Monitoring
FalterLarvenEier
Pheromon- und KlebefallenSichtkontrolle
Biologische Gegenspieler
Erzwespen Baryscapus tineivorusZwergwespen Trichogramma evanescens

Literatur

Austin, E.E., and McKenny Hughes, A.W. (1932) Clothes Moths and House Moths. Economic Series 14. London: British Museum (Natural History)

Brimblecombe, P., Querner, P. (2014) Webbing clothes moth catch and the management of heritage environments. International Biodeterioration & Biodegradation 96, 50-57

Plarre, R. (2014) Die Kleidermotte, eine kleine Natur- und Kulturgeschichte, in: Pest control news 58. Seite 23–25

Plarre, R. (2014) Likelihood of Infestations by Tineola bisselliella from natural reservoirs. Eighth International Conference on Urban Pests, Geneva. 345–352

Krüger-Carstensen, B., Plarre, R. (2011) Outdoor trapping and genetical characterization of populations of the webbing clothes moth Tineola bisselliella (Lepidoptera: Tineidae) in the broader area of Berlin, in: Journal of Entomological and Acarological Research, 43/2 (2011) 129–135.

Plarre, R. und Krüger-Carstensen, B. (2011) An attempt to reconstruct the natural and cultural history of the webbing clothes moth Tineola bisselliella Hummel (Lepidoptera: Tineidae) Journal Ent. Acarol. Res. Ser. II, 43 (2): 83-93

Petersen, G. (1957) Die Genitalien der paläarktischen Tineiden (Lepidoptera: Tineidae). Beiträge zur Entomologie 7 (1/2): 55–176

Pospischil R. (2022) Kleidermotten – gut angepasst an zentralbeheizte Räume. DpS 01, S. 8-11

Pospischil R (2020) Motten als Materialschädlinge. DpS 10, S. 15-17

Potter M.F. ENTFACT-609: Clothes Moths. University of Kentucky Department of Entomology. Zugriff am 07.07.2021

Querner, P. (2016) Linking webbing clothes moths to infested object or other food source in museums. Studies in Conservation 61. 111-117

Wudtke, A., (2002) Möglichkeiten des Methodentransfers vom Vorratsschutz zum Materialschutz -Bekämpfung von Museumsschädlingen am Beispiel der Kleidermotte Tineola bisselliella (Hum. 1823), Lepidoptera: Tineidae, Mensch und Buch Verlag, Berlin.

Xavier-Rowe A. et al. (2018) Operation Clothes Moth: Where Preventive Conservation and Public Engagement Meet. Studies in Conservation, Vol. 63, No. S1, S445–S450

Kleidermotte – DSV Berufsverband | Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband e.V. (dsvonline.de)

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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