Kleidermotte

Materialschädling in Museen, Textilsammlungen und historischen Gebäuden

Kleidermotte Tineola bisselliella

Biologie Einheitlich goldgelb gefärbter Falter von 5-6mm Länge. Die weißen Larven errichten beiderseits offene, röhrenförmige Gespinste, die am Untergrund fixiert werden und im Gegensatz zur Pelzmotte nicht herum getragen werden. Die im allgemeinen kleineren männlichen Falter können im Gegensatz zu den weiblichen Mottenfaltern größere Flugstrecken zurücklegen (Pospischil 2022) und in Klebefallen gefunden werden. Weibchen bleiben als schlechte Flieger lieber in der Nähe ihres Entwicklungsortes und sind gute Läufer, was man bei einem stärkeren Befall, z.B. im Wand- und Bodenbereich, in manchen Fällen beobachten kann.

Lebensweise Kleidermotten sind hierzulande nicht heimisch und leben als synanthrope Art in Gebäuden. Die Falter können nach Beobachtungen nur im Siedlungsbereich (Großstädte, Ballungszentren) von außen zufliegen (Plarre 2014). Zudem sind gemeldete Funde von Kleidermotten in Vogelnestern nach Plarre und Krüger-Carstensen (2011) in der Literatur überbewertet worden. Die Falter sind kurzlebig und nehmen keine Nahrung auf. So sterben die weiblichen Falter i.d.R. nach der Eiablage innerhalb 16 Tagen, die Männchen können bis zu 28 Tage alt werden.

Schäden Befallen werden keratinhaltige Materialien aus Schurwolle, Seide, Federn und Haare (z.B. Teppiche, Polstermöbel mit Roßhaarfüllung, Pelze, Wollkleidung, historische Uniformen, Naturhaarfilz und ökologische Dämmstoffe mit Wollanteil (z.B. Schafwolle). Keratinfreie Stoffe, wie Getreide, Mehl, Casein, Fischmehl und Textilien aus Jute oder Baumwolle werden nur zur Not angenommen (Lochfraß) und reichen für eine dauerhafte Entwicklung nicht aus.

Kleidermottenlarve auf Rosshaar-Füllung

Monitoring
FalterLarvenEier
Pheromon- und KlebefallenSichtkontrolle
Biologische Gegenspieler
Erzwespen Baryscapus tineivorusZwergwespen Trichogramma evanescens

Literatur

Kleidermotte – DSV Berufsverband | Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband e.V. (dsvonline.de)

Plarre, R. (2014) Die Kleidermotte, eine kleine Natur- und Kulturgeschichte, in: Pest control news 58 (2014) 23–25

Plarre, R. (2014) Likelihood of Infestations by Tineola bisselliella from natural reservoirs. Eighth International Conference
on Urban Pests, Geneva. 345–352

Krüger-Carstensen, B., Plarre, R. (2011) Outdoor trapping and genetical characterization of populations of the webbing clothes moth Tineola bisselliella (Lepidoptera: Tineidae) in the broader area of Berlin, in: Journal of Entomological and Acarological Research, 43/2 (2011) 129–135.

Plarre, R. und Krüger-Carstensen, B. (2011) An attempt to reconstruct the natural and cultural history of the webbing clothes moth Tineola bisselliella Hummel (Lepidoptera: Tineidae) Journal Ent. Acarol. Res. Ser. II, 43 (2): 83-93

Pospischil R. (2022) Kleidermotten – gut angepasst an zentralbeheizte Räume. DpS 01, S. 8-11

Pospischil R (2020) Motten als Materialschädlinge. DpS 10, S. 15-17

Potter M.F. ENTFACT-609: Clothes Moths. University of Kentucky Department of Entomology. Zugriff am 07.07.2021

Xavier-Rowe A. et al. (2018) Operation Clothes Moth: Where Preventive Conservation and Public Engagement Meet. Studies in Conservation, Vol. 63, No. S1, S445–S450

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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