Papierfischchen

Materialschädling in Archiven, Bibliotheken, Galerien und Museen

Papierfischchen Ctenolepisma longicaudata

Biologie Die erwachsenen Tiere sind 8 bis 15 mm lang. Das Weibchen legt durchschnittlich 56 Eier pro Jahr, die nur etwa 1mm lang und oval sind. Die Entwicklung vom Ei bis zum adulten Tier dauert bis zu 3 Jahre. Durch die Häutungen, die auch noch bei den erwachsenen Tieren erfolgen, können die Tiere verschiedene Farben von grau bis weiß aufweisen (siehe Bild oben Mitte). Papierfischchen können bis zu 6 Jahre alt werden und extrahieren die benötigte Flüssigkeit aus der Umgebungsluft über den Enddarm während des Metabolismus. Hohe Temperaturen bis 35°C werden gut vertragen und die Entwicklung unterhalb von 16°C eingestellt. Unterhalb 11°C erfolgt i.d.R. keine Aktivität und für kurze Zeiträume können noch Temperaturen knapp unter 0°C vertragen werden.

Lebensweise In Gebäuden mit normaler Luftfeuchtigkeit und vorzugsweise Raumtemperaturen mit 20-22°C. Die Tiere kommen in Ausstellungen, Depots, Archiven und vorwiegend in den Büroräumen (Verwaltungsräume usw.) vor. Papierfischchen sind im Gegensatz zu Silberfischchen weniger lichtscheu und können auch tagsüber entdeckt werden. An Wänden findet man die Tiere auch tagsüber und oft hinter Bildern sowie teilweise zwischen dem Glas und dem Bild (rechtes oberes Bild). Fischchen allgemein sind Generalisten und ernähren sich von Stärke, tierischem Leim, der Oberfläche von organischen Materialien oder auch Haaren, Hautschuppen und mikroskopischen Pilzen. Zu den Nahrungsstoffen von Papierfischchen zählen organische Leime in Papier, die aus Stärke, Dextrin oder Kasein bestehen können. Das Nahrungsspektrum erstreckt sich über Museumspapier, Seidenpapier, Küchentücher, Toilettenpapier, Zellophan, Pappe, Packpapier, Kunstseide, Textilien pflanzlichen Ursprungs (Leinen und Baumwolle), Seide aber auch trockene Substanzen, wie Haferflocken, Oblaten, Weizenmehl, Maismehl (Füllmaterial für Pakete) oder proteinhaltiges Trockenfutter aus der Tiernahrung.

Schäden Unregelmäßige Löcher in Papier, Bildern (siehe Biebl 2020), Tapeten, Poster sowie angekratzte Oberflächen (Schabefraß) an bedrucktem Papier, Büchern, Bildern oder Fotoarbeiten. Zur Befallskontrolle ausgebrachte Insektenklebefallen aus Karton können oberflächlich angefressen werden. Da auch kranke oder tote Artgenossen gefressen werden (Kannibalismus), sind Schäden an Insektensammlungen möglich.

Monitoring
Adulte und juvenile Stadien
Klebefallen (mit/ohne Köder, wie z.B. Grillenpulver gemahlen), Lebendfallen

Lebendfalle mit gefangenen Papierfischen

Literatur

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Biebl, Stephan (2019) Papierfischchen – Frei Haus. Der praktische Schädlingsbekämpfer 11/2019, S.12-14

Biebl, Stephan (2020) RESTAURO Online: Auszug vom Beitrag  Papierfischchen – Update 2020 

Escherich, Karl (1905) Das System der Lepismatiden. Zoologica, Original-Abhandlungen aus Zoologie Heft 43, Erwin Nägele Verlag, Stuttgart 1904

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Schoelitsz, B. Brooks, M. (2014) Distribution of Ctenolepisma longicaudatum in the Netherlands, Proceedings of the 8th International Conference on Urban Pests, Juli 2014 in Zürich, 353-356

Weitere Literatur beim Verfasser

Stephan Biebl

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