Brotkäfer

Materialschädling in Archiven, Bibliotheken und Museen

Brotkäfer Stegobium paniceum

Biologie: Der Brotkäfer ist ein kleiner, bräunlich gefärbter Käfer, der maximal drei bis vier Millimeter lang wird. Die letzten drei Antennenglieder sind deutlich verlängert. Da die Art in die Familie der Nagekäfer gehört sieht der Käfer von der Seite aus betrachtet so aus als würde er eine Kapuze tragen. Dieser Eindruck entsteht, da das Halsschild den Kopf kapuzenförmig überragt, so dass der Kopf von oben betrachtet nicht zu sehen ist. Verwechselungsgefahr besteht vor allem mit dem recht ähnlich aussehenden Gemeinen Nagekäfer, der aber kein Vorratsschädling ist sondern ausschließlich Holz befällt. Daher sollte man die Bestimmung von Nagekäfern am besten einem Fachmann überlassen.

Lebensweise: Der Brotkäfer gilt als Vorratsschädling und kann sich an unterschiedlichen trockenen pflanzlichen und tierischen Materialien entwickeln. Neben einer Vielzahl von Nahrungsmitteln (Getreidekörner, Zwieback, Nudeln, Kräutertee, Schokoladenerzeugnisse, Tiernahrung, Trockenfisch, Gewürze, Drogen, Kaffee, Tabak usw.) kann sich diese Käferart auch im Freien (u.a. Vogelnester) entwickeln und in Gebäude eindringen. Eine Überwinterung unter mitteleuropäischen Bedingungen im Freiland ist möglich (Pospischil 1997). Die Brotkäferweibchen legen im Laufe ihres Lebens rund 100 Eier ab. Je nach Temperatur und Verfügbarkeit von Nahrung dauert die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer zwei bis drei Monate. Die Käfer können sehr gut fliegen. Es handelt sich um eine weltweit verbreitete, vorratsschädliche Käferart, die nicht nur in Privathaushalten sondern auch in landwirtschaftlichen Betrieben, Vorratslagern, Bäckereien, Lebensmittelbetrieben, Supermärkten, Mühlen oder in Getreidelägern auftreten kann.

Schäden In Archiven, Bibliotheken oder Museen können stärkehaltige Objekte, wie Verleimungen bei Bildern oder auch Pflanzen (Herbarien) befallen werden. Ebenso auch moderne Kunstwerke aus Brot, Lebkuchen oder Stroh, wie es aus einzelnen Fällen in der Praxis bekannt ist. Durch mangelhafte Hygiene kann sich ein Befall durch Brotkäfer auch an Abfällen von Besuchern im Ausstellungsbereich oder Aufenthaltsräumen vom Personal (z.B. Teeküche) entwickeln.

Monitoring
KäferLarven
Lichtfallen, Gelbtafeln, Klebefallen
Pheromon, z.B. Firma Hiresis (Japan)
Sichtkontrolle
Biologische Gegenspieler
Lagererzwespe Lariophagus distinguendus

Literatur

Brotkäfer – DSV Berufsverband | Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband e.V. (dsvonline.de)

Biebl S. (2010) Brotkäfer im Archiv. Der praktische Schädlingsbekämpfer, Ausgabe 02, Seite 12-13

Fohrer, F., K. Baslé, and F. Daniel. (2006) Problématique de l’infestation des colles de rentoilage des peintures de chevalet par le Stegobium paniceum (L.). Support Tracé. 6: 78–85. In French

Hironaka M. et. al (2017) Adults of Lasioderma serricorne and Stegobium paniceum (Anobiidae: Coleoptera) Are Attracted to Ultraviolet (UV) Over Blue Light LEDs. Journal of Economic Entomology, 110(4), 1911–1915

Ignatowicz S. et.al. (2011) Integrated Pest Management (IPM) of the drug store beetle, Stegobium paniceum (L.), a serious pest of old books. J. Ent. Acarol. Res. Ser.II, 43 (2): 177-183

Lee W.-Y. et al. (2021) Drugstore Beetle Damage Pattern of Glue Paste-Lined Oil Paintings. Journal of Economic Entomology, XX(XX), 1–10 Online Entomology Today

Lefkovitch, L. P. (1967) A laboratory study of Stegobium paniceum (L.) (Coleoptera: Anobiidae). J. Stored Prod. Res. 3: 235–249

Lengger K. (2016) Brotkäferbefall im Stadtarchiv Augsburg! Maßnahmen der Schädlingsbekämpfung bei der Verlagerung der Archivbestände in den Jahren 2009-2016. In: Das neue Stadtarchiv Augsburg. Beiträge zur Geschichte der Stadt Augsburg, Bd. 6. (Hg.) Stadtarchiv Augsburg. Verlag Schmidt. Seite 145-162

Liu, L.-Y. (2013) First case of Stegobium paniceum (L., 1758) (Coleoptera: Anobiidae) infesting paintings in a Taiwanese museum. Coleopt. Bull. 67: 52–53.

Pospischil R. (1997) Der Brotkäfer. Der praktische Schädlingsbekämpfer. Heft 2. Seite 4

Querner, P., E. Oberthaler, and M. Strolz (2019) Biological pest control of a biscuit beetle (Stegobium paniceum) infestation in an old masters paintings storage area. Stud. Conserv. 64: 373–380

Querner, P., and Biebl S. (2011) Using parasitoid wasps in integrated pest management in museums against biscuit beetle (Stegobium paniceum) and webbing clothes moth (Tineola bisselliella). J. Entomol. Acarol. Res. 43: 169–175.

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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