Schimmelpilzbekämpfung

Methoden zur Beseitigung und Prävention

Beschreibung Biologie und Schäden siehe Schimmelpilze

Allgemeine Übersicht zu Lebensbedingungen verschiedener Schimmelpilze (nach Fuchs 1997):

  • Temperaturen 20-30°C, aber auch einige Spezies bei -5°C, andere bis +45°C lebensfähig
  • Feuchtigkeit mindestens 65%, meist mehr
  • pH-Wert zwischen 2 und 10
  • Atmosphäre 21% O2, teilweise auch weniger
  • Nahrung (organische Kohlenstoffverbindungen) wie Glucose, Saccharose, Proteine, Lipeoide, Stickstoff in Verbindung mit Spurenelementen z.B. Zn, Fe, Cu, Mo, B, Mn.

Abhängig von den betroffenen Objekten, Materialien oder Räumen können verschiedene Maßnahmen und Verfahren zum Einsatz kommen:

Passive Maßnahmen

  • Veränderung der o.g. Lebensbedingungen, wie z.B. kontrolliertes Absenken der relativen Luftfeuchte durch technische Geräte auf kleiner 60% RH und/oder mechanische Lüftungsmaßnahmen mit Luftaustausch ca. 1 mal pro Stunde.

Aktive Maßnahmen

  • Temporäre Regulierung des Wachstums als Notfallmaßnahme, wie z.B. Objekte mit Sauerstoffentzug (siehe Anoxia) oder in Kälte (ca. -4°C bis 0°C) lagern.
  • Ursachen erkennen (z.B. Wasserschaden) und beseitigen
  • Reinigende Verfahren (Abbürsten, Abwaschen oder Trockenreinigung mit Sauger oder Schwamm)
  • Chemische Verfahren (z.B. Behandlung mit Mischung aus 70% Ethanol und 30% Wasser)
  • Mechanische Sonderverfahren (Latex-Reinigung)
  • Physikalische Sonderverfahren (Gammastrahlung)
  • Abrasive Verfahren (Holz, Mauerwerk oder sonstige Oberflächen)

Prävention durch Einstellen von guten Klimabedingungen (18-20°C und 50-65% RH) je nach Objektart (Holz, Papier, Textilien usw.)

Nach einer Schimmelpilz-Bekämpfung sollten Nachweise für die erfolgreiche Bearbeitung geführt werden, wie z.B. Abklatschprobe mit Laboranalyse oder Messung der Biolumineszenz.

Literatur

Dekker, C. und Petersen, K. (2004) Pilzbefall auf textilen Objekten – Folgen und Vermeidung. In: Schimmel – Gefahr für Mensch und Kulturgut durch Mikroorganismen. VDR-Schriftenreihe Band 1. S. 135-138

Fuchs R. (1997) Schädlingsbekämpfung an befallenem Schrift- und Archivgut: Vergleich alter und neuer Verfahren – Moderne Untersuchungen zur Veränderung der Molekülstruktur. Erschienen in: Zahn der Zeit entrissen! Neue Forschungen und Verfahren zur Schädlingsbekämpfung im Museum. Rheinland-Verlag Köln. S. 53-168

Glauert, M. (2005) Empfehlungen zum Umgang mit schimmelbefallenem Archivgut. In: Verwahren, Sichern, Erhalten – Handreichung zur Bestandserhaltung in Archiven. Hrsg. Glauert/Ruhnau, Potsdam. S. 73-89

Meider J. und Arnold U. (2021) WTA-Merkblatt -Schimmel auf Holz- Erarbeitung einer Arbeitshilfe zum Umgang mit Schimmelbesiedelung auf Holz und Holzwerkstoffen. Erschienen in: Schützen und Erhalten – mit Sachverstand und Handwerkskunst, Tagungsband der 31. Hanseatischen Sanierungstage. 4. bis 6. November 2021, Frauhofer IRB Verlag. Seite 395-406

Messal C. 2018 Kompendium. Schimmel in Innenräumen. Erkennen, Bewerten, Sanieren. Fraunhofer IRB Verlag. 304 Seiten

Moczarski J., Tehsmer V., Anders M. (2014) Schimmel schädigt Kulturgut! Auf der Suche nach Alternativen zur Dekontamination von Archiv- und Bibliotheksgut. Restauro, Heft 2. S.14-21

Neuheuser, H.P. (2006) Biohazard. Notfallplanung und Maßnahmenpriorisierung bei plötzlichem Pilzbefall in Archiven, Bibliotheken und Museen. In: Bibliotheksdienst 40. Jg., H. 5, S. 547-557

Umweltbundesamt (2017) Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (Schimmelleitfaden).

Valentin N. (2010) Microorganisms in museum collections. Coalition Newsletter No.19, p. 2-5

Valentin, N., Garcia, R., de Luis, O. & Maekawa, S. (2002) Air ventilation for arresting microbial growth in Archives.
Quatriémes Journées Internationales d’Etudes de l’ARSAG, Paris. 139-150

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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