Schimmelpilze

Indikator für überhöhte Luftfeuchtigkeit in Gebäuden

Allgemeine Übersicht zu Lebensbedingungen verschiedener Schimmelpilze (nach Fuchs 1997):

  • Temperaturen 20-30°C, aber auch einige Spezies bei -5°C, andere bis +45°C lebensfähig
  • Feuchtigkeit mindestens 65%, meist mehr
  • pH-Wert zwischen 2 und 10
  • Atmosphäre 21% O2, teilweise auch weniger
  • Nahrung (organische Kohlenstoffverbindungen) wie Glucose, Saccharose, Proteine, Lipeoide, Stickstoff in Verbindung mit Spurenelementen z.B. Zn, Fe, Cu, Mo, B, Mn.

Biologie und Lebensbedingungen Schimmelpilze sind Pflanzen (Thallophyten), die durch fehlende Photosynthese zur Nährstoffgewinnung auf organisch gebundenen Kohlenstoff angewiesen sind. Die auch als „Schmutzfresser“ bezeichneten Schimmelpilze sind in Gebäuden ein häufiger Indikator für überhöhte Luftfeuchtigkeit. Schimmelpilzsporen sind ständig in der Luft und benötigen ein Substrat und geeignete Lebensbedingungen. Das Nährstoffangebot kann auch zusätzlich Spurenelemente, Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Beeinflusst wird das Wachstum durch die Faktoren pH-Wert und Temperaturen, speziell an unbelüfteten, kühlen Bauteiloberflächen.

Häufig werden Schimmelpilze mit der Gattung angegeben, wie z.B. Aspergillus spp., Penicillium spp. oder Cladosporium spp. Insgesamt sind bisher rund 30.000 Schimmelpilz-Arten beschrieben worden, je nach Autor. Rund 50 dieser Arten sind bei Feuchteschäden in Innenräumen immer wieder anzutreffen (Messal 2018). Eine genaue Bestimmung von Schimmelpilzen ist häufig schwierig und kann nur durch spezialisierte Fachleute oder Labore erfolgen.

Xerophile (griechisch: trocken-liebend) bzw. xerotolerante Schimmelpilzarten können der Gattung Aspergillus, Versicolor Komplex und Restricti zugeordnet werden. Die typischen Vertreter der Sektion Aspergillus sind u.a. A.ruber, A.glaucus, A.chevalieri und A.nidulans, welche in Laborversuchen durch Kultivierung nachgewiesen wurden (Messal 2026)

Der Aw-Wert beschreibt in Kurzform die Wasseraktivität. Ab einem allgemeinen kritischen Wert von 0,8 ist mit einer Besiedlung von hygrophilen Schimmelpilzen zu rechnen. Das Wachstumsoptimum der meisten Schimmelpilze liegt bei einem aW-Wert um 0,95 – unabhängig davon, bei welchem aW-Wert Sporen keimen und ab wann Myzelwachstum möglich ist (Messal 2018). Als Ausnahmen gelten extrem-xerophile Pilze, die bei aW-Werten ab 0,585 bis 0,734 auskeimen können (Messal 2026).

Nachweise Grundsätzlich ist zwischen Nachweismethoden vor Ort oder im Labor zu unterschieden. Bei den kultivierungsbasierten Untersuchungsmethoden kann entweder die Luftkeimmessung (stehende) Raumluft mit einem Luftsampler erfolgen oder eine Abklatschprobe an verdächtigen Oberflächen mit Kontaktplatten. Durch die molekularbiologische Untersuchungsmethode kann die genetische Analyse über Staub- oder Oberflächenproben durchgeführt werden.

Schäden Der Befall durch Schimmelpilze in Innenräumen lässt sich in zwei Schadenstypen einteilen: sichtbare oder versteckte Schimmelpilzbefälle, wie z.B. auf Objekten oder hinter Verkleidungen von Gebäuden. Die Sanierung an musealen oder zellulosehaltigen Objekten (Papier, Bücher) ist bei einem stärkeren Befall in größeren Sammlungen, Bibliotheken oder Archiven häufig mit erhöhtem Aufwand verbunden. Neue Herausforderungen sind xerophile Schimmelpilz-Arten, die in klimaüberwachten Räumen bei 40-60% rel. Feuchte an Kulturgut auftreten können, was Beispiele aus Dänemark (Bastholm et al 2022), Portugal und China zeigen.

Schimmelpilze und Insekten Bestimmte Insektenarten, wie z.B. Schimmelkäfer, Staubläuse oder Fischchen, wie Silber– oder Papierfischchen können sich von Schimmelpilzen ernähren und bei optimalen Rahmenbedingungen stark vermehren. So gelten diese Insektenarten oft als indirekter Indikator beim Monitoring für einen Schimmelpilzbefall im betreffenden Raum. Nach neueren Forschungen können Insekten auch zur Verschleppung von Schimmelpilzsporen in Museen beitragen (Querner and Sterflinger 2021).

Gegenmaßnahmen siehe Schimmelpilz-Bekämpfung

Literatur

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Brokerhof, A.W. (1989) Control of fungi and insects in objects and collections of cultural valueCentral Research Laboratory for Objects of Art and Science, Amsterdam

Craig, R. (1986) Alternative approaches to the treatment of mould biodeterioration – an international problem, In: The Paper Conservator 10. S. 27-30

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In: Österreichische Restauratorenblätter, pp. 241-252

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Messal C. (2026) Wenn xerophile Schimmelpilze die Bauphysik in Frage stellen, In: Schützen und Erhalten Ausgabe 3 (Sept. 2026) S. 22-27

Messal C. (2023) Von Jägern und Gejagten. Unter Beobachtung. In: Schützen und Erhalten. Ausgabe 1. (März 2023) S. 26-31

Messal C. (2018) Kompendium. Schimmel in Innenräumen. Erkennen, Bewerten, Sanieren. Fraunhofer IRB Verlag. 304 Seiten

Ojanen, T., & Viitanen, H. (2016). VTT mold model: Equations, parameters, performance criteria. Paper presented at Thermal Performance of the Exterior Envelopes of Whole Buildings , Clearwater Beach, Florida, United States.

Petersen K. (2014) Gesundheitsrisiko Schimmel? Restauro, Heft 2. S.32-35

Prevart Beratung (Zugriff am 15.08.2021) Schimmelreinigung

Querner P. and Sterflinger K. (2021) Evidence of Fungal Spreading by the Grey Silverfish (Ctenolepisma longicaudatum) in Austrian Museums, Restaurator Institute of Natural Sciences and Technology in the Arts

Rauch A. et al. (2004) Schimmel – Gefahr für Mensch und Kulturgut durch Mikroorganismen. Beiträge der Tagung vom 21.-23. Juni 2001 in München. Hg. VDR Schriftenreihe, Theiss-Verlag, 256 Seiten

Valentin, N. (1990) Evaluation of bacterial contamination on art materials by membrane filtration and epifluorescence microscopy. International Biodeterioration 26: 369-379

Z. Liu, Y. Zhang, F. Zhang, C. Hu, G. Liu, J. Pan (2018) Microbial community analyses of the deteriorated storeroom objects in the tianjin museum using culture-independent and culture-dependent approaches; Front. Microbiol., 9 (2018), pp. 1-12

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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