Schimmelpilze

Indikator für überhöhte Luftfeuchtigkeit in Gebäuden

Biologie und Lebensbedingungen Schimmelpilze sind Pflanzen (Thallophyten), die durch fehlende Photosynthese zur Nährstoffgewinnung auf organisch gebundenen Kohlenstoff angewiesen sind. Die auch als “Schmutzfresser” bezeichneten Schimmelpilze sind in Gebäuden ein häufiger Indikator für überhöhte Luftfeuchtigkeit. Schimmelpilzsporen sind ständig in der Luft und benötigen ein Substrat und geeignete Lebensbedingungen. Das Nährstoffangebot kann auch zusätzlich Spurenelemente, Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Beeinflusst wird das Wachstum durch die Faktoren pH-Wert und Temperaturen, speziell an unbelüfteten, kühlen Bauteiloberflächen.

Häufig werden Schimmelpilze mit der Gattung angegeben, wie z.B. Aspergillus spp., Penicillium spp. oder Cladosporium spp. Insgesamt sind bisher rund 30.000 Schimmelpilz-Arten beschrieben worden, je nach Autor. Rund 50 dieser Arten sind bei Feuchteschäden in Innenräumen immer wieder anzutreffen (Messal 2018). Eine genaue Bestimmung von Schimmelpilzen ist häufig schwierig und kann nur durch spezialisierte Fachleute oder Labore erfolgen.

Der Aw-Wert beschreibt in Kurzform die Wasseraktivität. Ab einem allgemeinen kritischen Wert von 0,8 ist mit einer Besiedlung von Schimmelpilzen zu rechnen. Das Wachstumsoptimum der meisten Schimmelpilze liegt bei einem aW-Wert um 0,95 – unabhängig davon, bei welchem aW-Wert Sporen keimen und ab wann Myzelwachstum möglich ist (Messal 2018).

Allgemeine Übersicht zu Lebensbedingungen verschiedener Schimmelpilze (nach Fuchs 1997):

  • Temperaturen 20-30°C, aber auch einige Spezies bei -5°C, andere bis +45°C lebensfähig
  • Feuchtigkeit mindestens 65%, meist mehr
  • pH-Wert zwischen 2 und 10
  • Atmosphäre 21% O2, teilweise auch weniger
  • Nahrung (organische Kohlenstoffverbindungen) wie Glucose, Saccharose, Proteine, Lipeoide, Stickstoff in Verbindung mit Spurenelementen z.B. Zn, Fe, Cu, Mo, B, Mn.

Nachweise Grundsätzlich ist zwischen Nachweismethoden vor Ort oder im Labor zu unterschieden. Bei den kultivierungsbasierten Untersuchungsmethoden kann entweder die Luftkeimmessung (stehende) Raumluft mit einem Luftsampler erfolgen oder eine Abklatschprobe an verdächtigen Oberflächen mit Kontaktplatten. Durch die molekularbiologische Untersuchungsmethode kann die genetische Analyse über Staub- oder Oberflächenproben durchgeführt werden.

Schäden Der Befall durch Schimmelpilze in Innenräumen lässt sich in zwei Schadenstypen einteilen: sichtbare oder versteckte Schimmelpilzbefälle, wie z.B. auf Objekten oder hinter Verkleidungen von Gebäuden. Die Sanierung an musealen oder zellulosehaltigen Objekten (Papier, Bücher) ist bei einem stärkeren Befall in größeren Sammlungen, Bibliotheken oder Archiven häufig mit erhöhtem Aufwand verbunden.

Schimmelpilze und Insekten Bestimmte Insektenarten, wie z.B. Schimmelkäfer, Staubläuse oder Fischchen, wie Silber– oder Papierfischchen können sich von Schimmelpilzen ernähren und bei optimalen Rahmenbedingungen stark vermehren. So gelten diese Insektenarten oft als indirekter Indikator beim Monitoring für einen Schimmelpilzbefall im betreffenden Raum. Nach neueren Forschungen können Insekten auch zur Verschleppung von Schimmelpilzsporen in Museen beitragen (Querner and Sterflinger 2021).

Gegenmaßnahmen siehe Schimmelpilz-Bekämpfung

Literatur

Brokerhof, A.W. (1989) Control of fungi and insects in objects and collections of cultural valueCentral Research Laboratory for Objects of Art and Science, Amsterdam

Craig, R. (1986) Alternative approaches to the treatment of mould biodeterioration – an international problem, In: The Paper Conservator 10. S. 27-30

Derksen K., Krist G., Sterflinger K. (2021) Schimmelpilzbefall in musealen Sammlungen in Österreich – Eine Studie. In: IIC Austria (Hg.) Restauratorenblätter / Papers in Conservation No 38, Verlag Ferdinand Berger & Söhne, S. 137-149

Engel P., Sterflinger K., Eckhart R. (2014) Ethyleneoxide Fumigation for Mouldy Archival Material.
In: Österreichische Restauratorenblätter, pp. 241-252

Franke P. (2000) Schimmelpilze und Bauschäden. Teil 1: Allgemeine Problematik. Der praktische Schädlingsbekämpfer. 52.Jg. S. 16-21

Fuchs R. (1997) Schädlingsbekämpfung an befallenem Schrift- und Archivgut: Vergleich alter und neuer Verfahren – Moderne Untersuchungen zur Veränderung der Molekülstruktur. Erschienen in: Zahn der Zeit entrissen! Neue Forschungen und Verfahren zur Schädlingsbekämpfung im Museum. Rheinland-Verlag Köln. S. 53-168

Grassegger G. und Eckrich W. (2014) Verschmutzung und Schimmel an historischen Bauwerken. Restauro, Heft 2. S.22-31

Meier C., Petersen K. (2006) Schimmelpilze auf Papier. Ein Handbuch für Restauratoren. Biologische Grundlagen, Erkennung, Behandlung und Prävention. Der Andere Verlag Tönning. 217 Seiten

Messal C. (2018) Kompendium. Schimmel in Innenräumen. Erkennen, Bewerten, Sanieren. Fraunhofer IRB Verlag. 304 Seiten

Petersen K. (2014) Gesundheitsrisiko Schimmel? Restauro, Heft 2. S.32-35

Prevart Beratung (Zugriff am 15.08.2021) Schimmelreinigung

Querner P. and Sterflinger K. (2021) Evidence of Fungal Spreading by the Grey Silverfish (Ctenolepisma longicaudatum) in Austrian Museums, Restaurator Institute of Natural Sciences and Technology in the Arts

Rauch A. et al. (2004) Schimmel – Gefahr für Mensch und Kulturgut durch Mikroorganismen. Beiträge der Tagung vom 21.-23. Juni 2001 in München. Hg. VDR Schriftenreihe, Theiss-Verlag, 256 Seiten

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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