Silikatstäube

Trocknungsstäube mit dauerhafter physikalischer Wirksamkeit

Die pulverförmigen Stäube bestehen als Wirkstoff meist aus amorphen Kieselgur/Diatomeenerde bzw. Siliciumdioxid und werden in der EU als Biozidprodukt der Produktart 18 (Insektizide, Akarizide und Produkte gegen andere Arthropoden) zugeordnet. Der zugelassene Wirkstoff Siliciumdioxid/Kieselgur ist u.a. für den Einsatz im Lebensmittelbereich (Hygiene) sowie in Bio-Betrieben geeignet. Die meisten Produkte sind nach Herstellerangaben für professionelle Anwender vorgesehen und gegen kriechende Insekten, wie Ameisen, Fischchen (z.B. Silberfischchen) oder Diebskäfer (z.B. Messingkäfer oder Kugelkäfer) geeignet. Die letale Wirkung des Pulvers hängt sehr stark von der Aufnahmemenge und erfordert eine bestimmte Dosierung pro Fläche bzw. Laufmeter nach Herstellerangaben.

Das staubförmige Material kann entweder als Pulver (abgefüllt in Eimer oder Plastikflasche mit Kanüle) oder als wässrige Suspension mit einer Spraydose ausgebracht werden. Neben der Hohlraumbehandlung können die Stäube auch als zusätzliche Barriere an Wänden oder Böden (z.B. in Randfugen) eingesetzt werden. Eine offene Ausbringung auf Flächen ist nicht empfehlenswert, wenn diese regelmäßig gereinigt oder feucht gewischt werden. Durch eine austrocknende Wirkung auf organische Materialien, ist die Anwendung auf bzw. an Objekten, wie z.B. Textilien oder Papier, nicht empfehlenswert.

Kieselgur wird aus natürlich vorkommendem Ablagerungen von Kieselalgen gewonnen und wirkt primär durch die Zerstörung der als Wasserbarriere dienenden Wachsschicht der Insektencuticula (Exoskelett), mit anschließender Dehydration des Insekts.

Siliciumdioxid (SiO2) gilt als das Mineral, das am häufigsten in der Erdkruste zu finden ist. Nichtkristallines (amorphes) SiO2 kommt natürlich in weitgehend reiner Form – auch in vulkanischen Gläsern und Tektiten – vor. Synthetisches SiO2, das meist amorph (chem. “ohne Gestalt”) vorliegt, wird großtechnisch in unterschiedlichen Prozessen in großen Mengen erzeugt. In der Lebensmittelindustrie wird SiO2 unter der Bezeichnung E 551 als Trennmittel eingesetzt. Amorphes Siliciumdioxid gilt nach gesundheitlicher Bewertung von Nanomaterialien (BfR, Bund 2010) als weitgehend ungefährliches Material. Dagegen kann kristallines SiO2 in Form von Quarzstaub “Silikose” auslösen.

Vorteile

  • Physikalisch wirksam (ungefährlich)
  • Sehr dauerhaft
  • Keine Resistenzbildung
  • Material ist biologisch abbaubar
  • Haftung auf vertikalen Flächen als wässrige Suspension
  • Keine Staubentwicklung bei wässriger Suspension (Spray)

Nachteile

  • Teilweise durch Feuchte in Wirkung beeinträchtigt.
  • Dosierung schwierig und Erfahrung beim Ausbringen erforderlich.
  • Staubentwicklung bei pulverförmigen Produkten
  • Weißlicher Pulverbelag bei wässriger Suspension

Literatur

Ulrichs Ch. et al. (2008) Insektizide Wirkung eines natürlichen Silikates (AL06) im Vergleich zu anderen silikathaltigen Stäuben gegenüber dem Kornkäfer: Sitophilus granarius (L.), Mitt. Dtsch. Ges. Allg. Angew. Ent. 16, S. 269-272

Schöller M. (2006) Zeitgleicher Einsatz von Kieselgur und Lagererzwespen? Der praktische Schädlingsbekämpfer 7-8, S. 18

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
Mariabrunnweg 15
D-83671 Benediktbeuern

Telefon 08857 – 69 70 40
Fax 08857 – 69 70 41
info@museumsschaedlinge.de

instagram

Schädlinge nach Werkstoffen sortiert

© , Stephan Biebl, Dipl.Ing. (FH) Holztechnik