Toxische Begasung

Anwendung von Begasungsmitteln zur Bekämpfung von Insekten in und an Gebäuden

Bei einer Begasung wird ein Raum oder Gebäude mit einem toxischen Gas geflutet, das durch Objekte wie Holz, Tierpräparate oder Textilien komplett hindurch diffundiert und auch durch anschließendes “Lüften” wieder entweicht. Durch gasdichte Folien können transportable Gegenstände oder stationäre Objekte (z.B. Kirchenausstattung, Lagerregale) auch in einer flexiblen Einhausungen begast werden.

Frühere Begasungsmittel waren Methylbromid (Brommethan), Phosphin (Phosphorwasserstoff / PH3), Ethylenoxid, Cyanwasserstoff (Blausäure / HCN), Schwefelkohlenstoff, Tetrachlorkohlenstoff und Ethylendichlorid. Diese hochtoxischen Gase sind in den meisten Ländern der Erde mittlerweile nicht mehr erlaubt oder finden aufgrund schädlicher Veränderungen an Kunstobjekten schon länger keine Anwendung mehr.

Die toxischen Begasungsmittel Bluefume (HCN) oder Phosphin (PH3) werden aktuell noch in der Schädlingsbekämpfung verwendet. Während Bluefume nur bei Rundhölzern oder Balken in Containern zugelassen ist, haben Phosphin-Präparate (Aluminium- oder Calciumphosphid) meist eine Zulassung für die Schadnagerbekämpfung (z.B. Wühlmäuse usw.).

Heute gilt das Begasungsmittel Vikane mit dem Wirkstoff Sulfuryldifluorid als zugelassenes gasförmiges Biozid im Bereich Produktart 8 (Holzschutz), das speziell in Freilichtmuseen oder Kirchen zur Anwendung kommt. Die Anwendung ist nur konzessionierter Fachfirmen mit firmenbezogener Erlaubnis erlaubt und erfordert langjährige praktische Erfahrungen.

Da toxische Gase unter Umständen eine chemische Reaktion mit anderen Materialien eingehen können, ist die Anwendung im kulturhistorischen oder restauratorischen Bereich eingeschränkt, wenn es zu einer möglichen Veränderung von Farben oder Oberflächen bei Kulturgütern kommen kann.

Hinweis: Häufig wird in der Praxis die Begasung mit anderen Verfahren, wie die Vernebelung oder Sprühen mit einem Kontaktinsektizid, verwechselt. Diese Verfahren dringen aber nicht vollständig durch Objekte, sondern benetzen nur die Oberfläche und töten keine Insekten innerhalb des Behandlungsmaterials.

Literatur

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Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
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