Gemeiner oder Gewöhnlicher Nagekäfer

Holzschädling in historischen Gebäuden und Freilichtmuseen

Gemeiner Nagekäfer Anobium punctatum

Der Gemeine Nagekäfer gehört zur großen Familie der Anobiiden. Weitere Arten sind der Trotzkopf Coelostethus pertinax, Weicher Nagekäfer Ernobius mollis, Gekämmter Nagekäfer Ptilinus pectinicornis, Südlicher Nagekäfer Oligomerus ptilinoides oder der Gescheckte Nagekäfer Xestobium rufovillosum auch Bunter Nagekäfer bzw. Totenuhr genannt

Biologie Die 3-4mm dunkelbraunen Käfer haben ein gewölbtes Halsschild, das kapuzenartig über den Kopf gezogen ist. Die Entwicklungsdauer der Larven beträgt mindestens 2-3 Jahre und je nach Bedingungen auch länger. Der 3-5mm große Käfer ist meist dunkelbraun, gelegentlich heller oder schwarzbraun. Die Flügeldecken sind mit längs laufenden, deutlich hervortretenden Punktreihen versehen. Insgesamt legt das Nagekäfer-Weibchen zwischen 20 und 30 Eier, die auch häufig in alte Ausfluglöcher gelegt werden!

Lebensweise: Die Käfer treten in den Sommermonaten (Mai bis Juni) aus kreisrunden Ausfluglöchern aus und leben an Nadel- und Laubholz. Aufgrund der notwendigen Holzfeuchte, findet man den Gemeinen Nagekäfer normalerweise nur in kühlen und feuchten Räumen, wie Freilichtmuseen mit nicht klimatisierten Gebäuden, Kirchen, Tennen, Kaltspeichern oder Kellerräumen ohne Heizung. In zentralbeheizten Wohnräumen oder Museen ist die Entwicklung der Larven im Holz nicht möglich, wenn die Holzfeuchtigkeit bei gewöhnlich 8-10% liegt. Siehe auch Beitrag über Umweltbedingungen. Die für die Larven optimale Temperatur liegt nach Literaturangaben zwischen 22°C und 23°C, die optimale Holzfeuchtigkeit bei 30%. Diese Daten können aber in der Praxis auch abweichen und die Holzfeuchte nur bei 12 bis 20% liegen. Splintholz wird als Nahrung bevorzugt, was sich beispielsweise an splintholzhaltigem Eichenholz zeigt.

Schäden: Das Holz ist von Fraßgängen von 1 bis 2 mm Durchmesser durchzogen, die Fluglöcher sind kreisrund. Aufgrund der sogenannten “Ortstreue” der Käfer wird ein befallenes Holz meist bis zur völligen Zerstörung immer wieder besiedelt. Durch die langsame Entwicklung der Larven kommt es aber nur über längere Zeiträume von mindestens 5-10 Jahren zu Schäden an tragenden oder aussteifenden Bauteilen oder beispielsweise Skulpturen, Möbel oder Ausstattungen in Kirchen.

Monitoring
KäferLarven
Papierabklebungen (mit Ausfluglöchern)
Auffinden von lebenden oder toten Tieren
nicht detektierbar
Hinweis: Pheromone wurden in der Vergangenheit von der Firma AgriSense produziert (Child/Pinniger 1996). Aktuell sind “weltweit” keine Fallen mit Pheromonen für Anobium punctatum verfügbar (Stand 2021)

Literatur

Gemeiner Nagekäfer – DSV Berufsverband | Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband e.V. (dsvonline.de)

Child R.E., Pinniger D.B. (2014) Current status and treatments for Anobium punctatum. In: Muller G. et al. (Hg.) The 8th International Conference on Urban Pests. Veszprém: OOK Press Kft. 329-334

Flohr E. (2007) Der Südliche Nagekäfer Oligomerus ptilinoides, Schützen und Erhalten Ausgabe 3, S. 8-9

Pinniger D.B. and Child R.E. (1996) Woodworm – A necessary Case for Treatment? New Techniques for the Detection and Control of Furniture Beetle. Proceedings of the Second International Conference on Urban Pests. K.B. Wildey (editor) 353-359

Pospischil R. (2009) Nagekäfer – 11 bedeutsame Arten. DpS 10. S. 8-11

Ridout, B. (2000) Timber Decay in Buildings. E and FN Spon, London.

Ridout, B. (2012) Timber. English Heritage. 131-177

Vaiedelich, S. and S. Le Conte (2013) In situ acoustical detection of Xylophage. Programme International Conference on IPM in museums, archives and historic houses, Vienna 2013: 70

Stephan Biebl

Dipl.Ing. (FH) Holztechnik
Mariabrunnweg 15
D-83671 Benediktbeuern

Telefon 08857 – 69 70 40
Fax 08857 – 69 70 41
info@museumsschaedlinge.de

instagram

Schädlinge nach Werkstoffen sortiert

© , Stephan Biebl, Dipl.Ing. (FH) Holztechnik