Grundsätzlich kommen für Schadinsekten oder Schadnager (z.B. Mäuse, Ratten) zwei Möglichkeiten in Betracht, wie sie in Gebäude eindringen können: Der Zuflug oder Zuwanderung vom Umfeld (Freiland) oder die Einschleppung mit Objekten oder Waren von Haus zu Haus.



Vielen Insekten gelten nicht als Schädlinge, da sie keine Schäden an Gebäuden oder Objekten verursachen (siehe Foto oben links). Bestimmte Insekten kommen in der Natur vor, wie es im Frühjahr verschiedene Pelzkäferarten auf Blumen sein können (siehe Bild oben mittig). Andere Insekten können in Mitteleuropa nur in Gebäuden überleben, da hier die notwendigen klimatischen Bedingungen gegeben sind und eine Überwinterung im Freiland nicht möglich ist (siehe Bild rechts oben, mit einer Transportkiste und Splintholzkäferbefall). Gebietsfremde Tierarten können als invasive Insekten auftreten und zu Schäden an Kunst- und Kulturgut führen.
Nagetiere gelten nicht grundsätzlich als Schädlinge. Als Schadnager werden in Mitteleuropa die zwei Arten Hausmaus und Wanderratte genannt, wenn diese in Gebäuden Material, Vorräte oder Pflanzen kontaminieren und zerstören. Probleme in Museen oder historischen Gebäuden kommen eher selten vor, wenn man es mit Schäden durch Insekten vergleicht.
Der Schutz von Objekten vor Schädlingsbefall setzt ein dichtes Gebäude, eine übersichtliche Lagerung, regelmäßige Reinigung und Überwachung von Insekten und dem Raumklima voraus.
Innerhalb von Depoträumen können Vitrinen oder dicht schließende Schränke eine zweite Barriere gegenüber Schädlingsbefall darstellen. Dies betrifft kriechende oder auch fliegende Insekten, wie z.B. Papierfischchen oder Kleidermotten.

Eine überschaubare Lagerung und Zugänglichkeit erleichtert die Kontrolle an den Objekten auf mögliche Spuren von Schädlingsbefall. Helle Untergründe bei Böden oder in Regalen sind je nach Art und Spuren von Museumsschädlingen von Vorteil. Regale sollten zum Boden über einen Abstand von ca. 10-15cm verfügen, um ein Wischen oder Saugen zu ermöglichen.
Die Absenkung der Raumtemperatur im Depot auf unter 20°C ist nicht nur entwicklungshemmend für Insekten oder Schimmelpilze, sondern auch besser für den Energieverbrauch. Stichwort „Grüne Museen„. Hier ist speziell auch die Depotplanung gefragt, wenn es um neue Zentraldepots oder Sanierungen von alten Depotgebäuden geht. Im Museumsbereich gibt es spezialisierte Fachplaner/innen für Depots, die bei der Planung oder Neukonzeption zu Rate gezogen werden können.
Die Reinigung in Depot- oder Archivräumen wird durch gute Lagerung (Logistik) und Nutzung von Regalen vereinfacht. Im Hinblick auf einen Befall durch Papierfischchen, sollte in Wandregalen das gelagerte Museums- oder Archivmaterial keinen direkten Kontakt zur Wand haben. Das Abstellen von Kartonagen oder Paletten am Boden oder entlang von Wänden führt häufig zu Problemen bei der Unterhaltsreinigung.
Im Rahmen einer Inventarisierung von Exponaten kann auch das Thema Deakzession (Entsammeln von Museumsobjekten) eine positive Rolle bei der (Über-)Lagerung im Depot spielen, wenn gefährdete Objekte in doppelter Menge vorhanden sind. Dies kann auch zur Prävention von Schädlingsbefall in Depoträumen helfen.
Beim Auffinden von verdächtigen Objekten mit beispielsweise Bohrmehl oder Tierexkrementen sollten diese in einen Quarantäneraum verbracht oder können einzeln separiert werden. Siehe Quarantäne.

Ausreichender Abstand vom Regal zum Boden ermöglicht bessere Kontrollen und Reinigung
Negativ zeigt sich die Holzleiste im Bild, die hinderlich für die Reinigung ist

Frei gelagerte Holzexponate und leicht erkennbarer Insektenbefall (Nagekäfer) im Depot.

Offene Kabeldurchführungen durch Innenwände stellen undichte Übergänge zwischen Depoträumen dar.
Literatur
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Fuger W. und Kreiliger K. (1998) Das Museumsdepot, Grundlagen – Erfahrungen – Beispiele. Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hg.) Band 4, Weltkunstverlag. 286 Seiten
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Prevart (Zugriff am 15.08.2021) verschiedene Informationen über den Link Depotplanung
Wießmann A. und Stäbler W. (2014) Gut aufgehoben. Museumdepots planen und betreiben. Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hg.) Band 16, Deutscher Kunstverlag. 287 Seiten
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(weiterlesen…)Anwendung von Begasungsmitteln zur Bekämpfung von Insekten in und an Gebäuden
Bei einer Begasung wird ein Raum oder Gebäude mit einem toxischen Gas geflutet, das durch Objekte wie Holz, Tierpräparate oder Textilien komplett hindurch diffundiert und auch durch anschließendes „Lüften“ wieder entweicht. Durch gasdichte Folien können transportable Gegenstände oder stationäre Objekte (z.B. Kirchenausstattung oder Lagerregale) auch in einer flexiblen Einhausungen begast werden.




Frühere Begasungsmittel waren Methylbromid (Brommethan / MeBr), Phosphin (Phosphorwasserstoff / PH3), Ethylenoxid, Cyanwasserstoff (Hydrogencyanid oder Blausäure / HCN), Schwefelkohlenstoff, Tetrachlorkohlenstoff und Ethylendichlorid. Diese hochtoxischen Gase sind in den meisten Ländern der Erde mittlerweile nicht mehr erlaubt oder finden aufgrund schädlicher Veränderungen an Kunstobjekten schon länger keine Anwendung mehr.
Die toxischen Begasungsmittel Bluefume (HCN) oder Phosphin (PH3) werden aktuell noch in der Schädlings-bekämpfung gegen Insekten oder Schadnager verwendet. Während Bluefume (HCN) als Biozid die Zulassungen für Produktart 8 (Holzschutz), 14 (Rodentizide) und 18 (Insektizide) hat und u.a. bei Rundhölzern oder Balken in Containern zugelassen ist, haben Phosphin-Präparate (Aluminium- oder Calciumphosphid) meist eine Zulassung für die Bekämpfung von z.B. Wühlmäusen usw.
Das Begasungsmittel Vikane mit dem Wirkstoff Sulfuryldifluorid gilt (Stand 08-2024) als einziges zugelassenes gasförmiges Biozid im Bereich Produktart 8 (Holzschutz), welches speziell in Freilichtmuseen oder Kirchen zum Einsatz gegen holzzerstörende Insekten kommt. Die erste Begasung einer Kirche mit Vikane in der Europa, wurde durch Binker 1993 beschrieben. Die Bekämpfung erfolgt i.d.R. gegen den Gemeinen Nagekäfer oder in selteneren Fällen gegen den Hausbockkäfer. In der Produktart 18 (Insektizide) ist der Wirkstoff Sulfuryldifluorid mit dem Namen Profume im Bereich Vorratsschutz zugelassen. Hier können Bekämpfungen gegen Schadinsekten in Gebäuden durchgeführt werden, wie es beispielsweise beim Messingkäfer oder Kugelkäfer (Ptinidae) in historischen Gebäuden der Fall ist. Die Anwendung ist nur konzessionierter Fachfirmen mit firmenbezogener Erlaubnis erlaubt und erfordert langjährige praktische Erfahrungen.
Da die sogenannten „reaktiven Gase“ unter Umständen eine chemische Reaktion mit anderen Materialien eingehen können, ist die Anwendung im kulturhistorischen Bereich eingeschränkt, wenn das Risiko einer möglichen Veränderung von Farben oder Oberflächen bei Objekten besteht. Siehe dazu auch Schäden durch chemische oder physikalische Behandlungen.
Schäden bzw. Objekt-Veränderungen durch reaktive Gase an Objekten oder Gebäuden wurden in der Vergangenheit über die Forschung oder Praxisfälle bekannt (Koestler 1993 oder Emmerling 1995). Bei den bekannteren Schadensfällen handelte es sich überwiegend um Fehlanwendungen (z.B. Phosphin bei Objekten mit Goldfassung) oder ungünstige Bedingungen, wie sehr hohe Luftfeuchten während der Begasung. Vor einer Anwendung empfiehlt sich grundsätzlich eine Risikoabschätzung durch Fachleute wie Restauratoren:innen oder Sachverständige, ob das gewählte Begasungsmittel zu möglichen Schäden oder Veränderungen an Fassungen, Farben oder Pigmenten führen könnte.
Aktuell wird von unterschiedlichen Experten aus ganz Deutschland an dem neuen WTA-Merkblatt 1-18 für Begasung gearbeitet, um ein aktuelles Regelwerk für die Praxis bereitstellen zu können. Die Gründungssitzung der neuen WTA-Arbeitsgruppe mit dem Thema Begasung und modifizierte Atmosphären zur Bekämpfung tierischer Holzzerstörer in Bauwerken aus dem Referat 1 Holz und Holzschutz fand am 20.07.21 in Bronzell bei Fulda statt. Das Merkblatt befindet sich derzeit noch in Bearbeitung. Stand 12.11.2025
Historie und Aktuelles: siehe Sulfuryldifluorid
Hinweise:
Häufig wird in der Praxis die Begasung mit anderen Verfahren, wie die Vernebelung oder Sprühen mit einem Kontaktinsektizid, verwechselt. Diese Verfahren dringen aber nicht vollständig durch Objekte, sondern benetzen nur die Oberfläche und töten keine Insekten innerhalb des Behandlungsmaterials.
Eine Behandlung von Objekten oder Räumen mit dem Oxidationsmittel Ozon (O3) ist nicht zulässig oder empfehlenswert. Siehe auch: Technik FAQ.
Literatur
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Grosser D. Rossmann E (1974) Blausäuregas als bekämpf. HS-Mittel für Kunstobjekte, In: Holz a. Roh und Werkstoff 32, S. 108-114
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Vermeidung von Schäden und Gesundheitsgefährdung durch Krankheitserreger von Nagetieren
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